Mittwoch, 26. November 2014

Das erste richtige Kapitel ^^
Lesen lässt einen die Zeit aus den Augen verlieren



Mia, du und Zhara seid diese Woche für die Ordnung in der Klasse zuständig“, teilte die etwas klein geratene Lehrerin den beiden Mädchen mit, „bringt bitte den Müll raus bevor ihr nach Hause geht“.

Zhara saß, völlig in Gedanken versunken, in ihrer Klasse und schreckte kaum merkbar auf als sie die Lehrerin ihren Namen aussprechen hörte.
Da diese jedoch keine Antwort zu erwarten schien, wendete sie ihren Blick Richtung Fenster und betrachtete die Vögel dabei wie sie in den Süden flogen.
Im Gegensatz zu ihr waren sie frei, sie konnten tun und lassen was sie wollten und niemand würde sie jemals dafür in Rechenschaft ziehen.
Vogelfrei – dies würde Zhara nie sein können, egal wie sehr sie es sich wünschte

Es war bereits die letzte Stunde ihres Schultages, bald würde sie nachhause können, doch im Moment saß sie noch im Klassenraum völlig versunken in ihrer eigenen Welt.
Sie träumte davon wie es wäre einfach davon Laufen zu können – sich auf eine große Reise zu begeben.
Vielleicht sogar die ganze Welt zu umrunden.

Vorne an der Tafel stand ihre Lehrerin Miss Garwain, ihre braunen Harre streng zu einem Dutt nach hinten gebunden und eine Hornbrille auf der Nase, trotz des lächerlichen Anblicks den sie bot war sie eine Strenge und doch gerechte Lehrerin.

Das Licht , das aus dem Fenster fiel, erleuchtete den Klassenraum in einem warmen orange, welches das Gefühl von Geborgenheit vermittelte – zumindest in den Augen Zhara's
Die meisten Schüler waren in ihren Gedanken bereits Zuhause und warteten ungeduldig auf das Ende der Stunde.

Sie freuten sich bereits darauf etwas mit ihren Freunden zu unternehmen, mit ihrer Familie wegzufahren oder einfach nur darauf nichts tun zu können, ganz im Gestratz zu Zhara.
Sie würde weder etwas mit Freunden unternehmen noch mit ihrer Familie wegfahren und erst recht nicht würde sie nichts tun, denn dies war ihrer Meinung nach reine Zeitverschwendung – man hat schließlich nur ein Leben, darum sollte man es nutzen.

Einige Schüler starrten angespannt auf die Uhr, welche im Klassenraum hing und man könnte meinen, dass sie versuchten die Zeiger der Uhr lediglich mit der Kraft ihrer Gedanken zu bewegen und die Stunde zu Ende zu bringen.


Das Läuten der Schulglocke erlöste die Schüler letztendlich von ihren Qualen.
Aufgeschreckt und nun wieder Top fit stürmten sie in Massen aus der Schule – endlich Freiheit.
Dennoch waren sie und werden sie nie „Vogelfrei“ sein.

Mia jedoch , welche normalerweise eine der ersten war die aus der Klasse stürmte, ging dieses mal bevor sie nach Hause eilte noch zu Zhara und bat diese den Müll alleine wegzubringen, da sie schnell zum Bus müsste.
Angesprochene traute sich nicht der aufgeweckten blond haarigen zu erklären, dass sie ebenfalls zum Bus müsse, also tat sie einfach wie ihr befohlen wurde und beeilte sich den Müll wegzubringen.
Doch bei Zhara's Glück fuhr ihr der Bus ,in welchen sie hätte nach Hause fahren sollen, direkt vor ihrer Nase davon.
Frustriert setzte sich das zierliche Mädchen auf eine Nahe der Bushaltestelle gelegene Bank.
Sie musste wohl oder Übel auf den nächsten Bus warten.
Zuerst machte sie sich Gedanken darüber, ob sie von ihren Eltern wohl Ärger bekommen würde und darüber das sie sich hätte noch mehr beeilen müsse, auch wenn sie wusste das dies eigentlich gar nicht möglich war.
Schnell jedoch schwiegen ihre Gedanken ab und sie versank mal wieder in ihrer eigenen Welt.

Der Wind blies ihr ihre braunen Haare ins Gesicht, was sie gekonnt ignorierte.
Die trostlose Landschaft spiegelte sich in ihren braunen Augen, mit welchen sie ihre Umgebung nichts desto trotz viel harmonischer wahrnahm.
Die Kälte des Windes gab ihr das Gefühl zu leben und die morsche Holzbank auf welcher sie saß erinnerte sie an Geschichten, in welchen verschiedene Personen – genau wie sie im Moment – auf eben diesen morschen Bänken saßen und Entscheidungen trafen die ihr Leben veränderten.

Eine Dreiviertelstunde saß das Mädchen dort – ganz alleine – mit ihren Gedanken in einer fernen Welt, bis ihr Bus schließlich kam.
Schnell stieg sie ein und setze sich auf einen der vielen freien Plätze.

Vermutlich hätte sie von ihren Eltern dafür das sie erst so spät nach Hause kam Ärger bekommen, wäre jene Zuhause gewesen, doch sie waren nun einmal nicht da.
Deswegen kam sie unbemerkt ins Haus und Niemand bemerkte das sie später als sonst nach Hause gekommen war – lediglich sie selber.

Auch Zuhause erledigte Zhara zuerst ihre Pflichten.
Sie machte ihre Hausaufgaben, sowie die Wäsche und erledigte den Abwasch ehe sie sich erschöpft in ihr Bett legte.
Beschweren tat sie sich deswegen nie und sie würde es auch gar nicht wagen, schließlich wurde sie von ihren Eltern kostenlos mit allem was sie brauchte versorgt – Essen, Trinken, Anziehsachen selbst „Spielzeug“ meistens in Formen von Büchern kauften sie ihr.
Die meistens würden das wahrscheinlich als selbstverständlich bezeichnen, doch das war es nicht und dies wusste und würdigte Zhara.
Sie fand es gut das sie sich im Gegenzug um den Haushalt kümmern konnte um sich bei ihren Eltern zu engagieren
Diese hatte sie den ganzen Tag noch nicht gesehen, aber dies war sie bereits gewohnt – wahrscheinlich machten sie wieder einmal Überstunden.
Sie arbeiteten Beide als Ärzte in einem Krankenhaus und erwarteten von Zhara – natürlich – das sie dies auch einmal tun würde.
Zhara ahnte das ihre Eltern wussten das dies nicht ihr Traumjob war, doch sie würde schweigen.
Es würde sowieso zu nichts führen, würde sie aufgrund dieses Themas unnötiger Weise einen Streit beginnen.

Es war bereits halb zehn Abends als Zhara ihre Aufgaben erledigt hatte.
Normalerweise war sie bereits um viertel nach acht fertig und hatte noch genug Zeit um ihren Hobbys nachzugehen.
Meistens las sie noch etwa eineinhalbtausend ehe sie schlafen ging.
Mal las sie mehr - mal weniger, doch lesen tat sie jeden Tag.
Trotz der bereits späten Stunde beschloss Zhara auch heute noch etwas zu lesen – so wie sie es sonst auch immer tat.
Sie nahm sich eines ihrer liebsten Bücher, welches sie schon gefühlt tausend mal gelesen hatte.
Es erzählt die Geschichte eines Dorfes und die der Menschen die in ihm Leben.
Sie alle leben sehr unterschiedlich, obwohl sie alle mit ungefähr den gleichen Problemen klar kommen müssen.
Zhara war schon immer von den Verhalten der Menschen in bestimmten Situationen erstaunt und grade dieses Buch hatte ihr sowieso schon vorhandenes Interesse an diesem Thema nur noch mehr geweckt.

Irgendwann jedoch schlief sie, obwohl sie das Buch so fesselte, ein.
Sie trug immer noch ihre ganz normale Bekleidung und hielt auch immer noch das Buch, welches ihr im Laufe der Nacht aus der Hand rutschte, fest.

Am nächsten Morgen kam es wie es kommen musste und die Braunhaarige verschlief.
Sie hatte am vergangenem Abend vergessen ihren Wecker zu stellen.
So schnell sie konnte zog Zhara sich um packte ihre Tasche und machte sich im Bad fertig.
Trotz der Tatsache das sie sich so beeilte war Zhara klar, das sie es nicht mehr zur ersten Stunde in die Schule schaffen würde.
Zu ihrem Pech waren Zhara's Eltern an diesem Morgen ausnahmsweise einmal Zuhause.
Ansonsten hätten sie, vermutete Zhara zumindest, niemals herausgefunden das sie verschlafen hatte.
Enttäuscht von ihrer Tochter, aufgrund ihrer Unzuverlässigkeit, fuhren ihre Eltern Zhara in die Schule.
Natürlich hatten ihre Eltern sie getadelt, jedoch hatte ihre Mutter ihr extra etwas zu Essen für die Schule fertig gemacht und eingepackt – sie waren alles, aber garantiert keine schlechten Eltern.

Als Zhara an die Tür ihrer Klasse klopfte, fühlte sie sich merklich unwohl.
Sie war vielleicht nicht die beste Schülerin, was wiederum nicht hieß das sie schlecht war, aber sie hielt sich immer an die Regeln und kam bis zu jenem Tag nie zu Spät.
Trotz der Tatsache das Zhara sich mehrfach entschuldigte, stellte ihre Lehrerin sie vor der Klasse bloß.
Sie stellte Zhara's Manieren sowie ihre Intelligenz in Frage und befahl ihr den Unterricht jetzt nicht auch noch zu stören.
Zhara's Lehrerin fragte sie sogar warum sie denn überhaupt aufgestanden sei.
Zhara war den Tränen nahe, doch sie erwiderte nichts.
Sie ertrug lediglich den Tadel und setze sich schlussendlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, auf ihren Platz.

Während des Unterrichtes merkte Zhara wie die Müdigkeit in ihr hochkam.
Sie hatte zwar länger als sonst geschlafen, aber auf keinen Fall besser – eher schlechter.
Sie zwang sich ihre Augen offen zu halten, konnte der Müdigkeit jedoch nicht lange standt halten und schlief letztendlich ein.
Dies bemerkte die Lehrerin natürlich sofort und weckte das zierliche Mädchen unsanft mit ihren wutentbrannten Schreien auf.
Zum zweiten mal an diesem Tage stellte die Lehrerin Zhara's Qualifikationen in Frage und schickte sie schlussendlich erbost vor Zorn zum Direktor.

Eingeschüchtert und schon das schlimmste erwartend, schritt Zhara die langen und auf einmal sehr finster wirkenden Schulflure, welche zum Direktorat führten, entlang.
Ihr grauten es nur so vor dem Gedanken wie ihre Eltern reagieren würden, wenn sie erfuhren das ihre Tochter zum Direktor musste.
Sie würden wütend sein – sehr wütend.
Doch Zhara verstand das sie auch einen guten Grund dafür hätten, würde sie jemals eine Tochter haben wäre sie auch wütend, wenn sie erfahren würde das diese zum Direktor geschickt wurde.
Zhara war enttäuscht von sich selber, wäre sie am gestrigen Abend einfach schlafen gegangen und hätte nicht mehr gelesen, wäre all dies niemals geschehen.
Natürlich hätte sie auch Mia schuld an all dem Geben können doch dies tat sie nicht, schließlich war es weder Mia die verschlief noch Mia die im Unterricht einschlief, sie hatte zwar die ganze Arbeit auf Zhara angeschoben, jedoch hatte diese sich ja auch nicht darüber beschwert, ob Mia auf diese Beschwerde eingegangen wäre ist ein andere Thema.

Vor der Tür des Direktorates hielt Zhara an.
Sie atmete einmal tief ein und aus, ehe sie zaghaft an die Tür klopfte und sie jemand herein bat.



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