Das erste richtige Kapitel ^^
Lesen
lässt einen die Zeit aus den Augen verlieren
„Mia,
du und Zhara seid diese Woche für die Ordnung in der Klasse
zuständig“, teilte die etwas klein geratene Lehrerin den beiden
Mädchen mit, „bringt bitte den Müll raus bevor ihr nach Hause
geht“.
Zhara
saß, völlig in Gedanken versunken, in ihrer Klasse und schreckte
kaum merkbar auf als sie die Lehrerin ihren Namen aussprechen hörte.
Da
diese jedoch keine Antwort zu erwarten schien, wendete sie ihren
Blick Richtung Fenster und betrachtete die Vögel dabei wie sie in
den Süden flogen.
Im
Gegensatz zu ihr waren sie frei, sie konnten tun und lassen was sie
wollten und niemand würde sie jemals dafür in Rechenschaft ziehen.
Vogelfrei
– dies würde Zhara nie sein können, egal wie sehr sie es sich
wünschte
Es
war bereits die letzte Stunde ihres Schultages, bald würde sie
nachhause können, doch im Moment saß sie noch im Klassenraum völlig
versunken in ihrer eigenen Welt.
Sie
träumte davon wie es wäre einfach davon Laufen zu können – sich
auf eine große Reise zu begeben.
Vielleicht
sogar die ganze Welt zu umrunden.
Vorne
an der Tafel stand ihre Lehrerin Miss Garwain, ihre braunen Harre
streng zu einem Dutt nach hinten gebunden und eine Hornbrille auf der
Nase, trotz des lächerlichen Anblicks den sie bot war sie eine
Strenge und doch gerechte Lehrerin.
Das
Licht , das aus dem Fenster fiel, erleuchtete den Klassenraum in
einem warmen orange, welches das Gefühl von Geborgenheit vermittelte
– zumindest in den Augen Zhara's
Die
meisten Schüler waren in ihren Gedanken bereits Zuhause und warteten
ungeduldig auf das Ende der Stunde.
Sie
freuten sich bereits darauf etwas mit ihren Freunden zu unternehmen,
mit ihrer Familie wegzufahren oder einfach nur darauf nichts tun zu
können, ganz im Gestratz zu Zhara.
Sie
würde weder etwas mit Freunden unternehmen noch mit ihrer Familie
wegfahren und erst recht nicht würde sie nichts tun, denn dies war
ihrer Meinung nach reine Zeitverschwendung – man hat schließlich
nur ein Leben, darum sollte man es nutzen.
Einige
Schüler starrten angespannt auf die Uhr, welche im Klassenraum hing
und man könnte meinen, dass sie versuchten die Zeiger der Uhr
lediglich mit der Kraft ihrer Gedanken zu bewegen und die Stunde zu
Ende zu bringen.
Das
Läuten der Schulglocke erlöste die Schüler letztendlich von ihren
Qualen.
Aufgeschreckt
und nun wieder Top fit stürmten sie in Massen aus der Schule –
endlich Freiheit.
Dennoch
waren sie und werden sie nie „Vogelfrei“ sein.
Mia
jedoch , welche normalerweise eine der ersten war die aus der Klasse
stürmte, ging dieses mal bevor sie nach Hause eilte noch zu Zhara
und bat diese den Müll alleine wegzubringen, da sie schnell zum Bus
müsste.
Angesprochene
traute sich nicht der aufgeweckten blond haarigen zu erklären, dass
sie ebenfalls zum Bus müsse, also tat sie einfach wie ihr befohlen
wurde und beeilte sich den Müll wegzubringen.
Doch
bei Zhara's Glück fuhr ihr der Bus ,in welchen sie hätte nach Hause
fahren sollen, direkt vor ihrer Nase davon.
Frustriert
setzte sich das zierliche Mädchen auf eine Nahe der Bushaltestelle
gelegene Bank.
Sie
musste wohl oder Übel auf den nächsten Bus warten.
Zuerst
machte sie sich Gedanken darüber, ob sie von ihren Eltern wohl Ärger
bekommen würde und darüber das sie sich hätte noch mehr beeilen
müsse, auch wenn sie wusste das dies eigentlich gar nicht möglich
war.
Schnell
jedoch schwiegen ihre Gedanken ab und sie versank mal wieder in ihrer
eigenen Welt.
Der
Wind blies ihr ihre braunen Haare ins Gesicht, was sie gekonnt
ignorierte.
Die
trostlose Landschaft spiegelte sich in ihren braunen Augen, mit
welchen sie ihre Umgebung nichts desto trotz viel harmonischer
wahrnahm.
Die
Kälte des Windes gab ihr das Gefühl zu leben und die morsche
Holzbank auf welcher sie saß erinnerte sie an Geschichten, in
welchen verschiedene Personen – genau wie sie im Moment – auf
eben diesen morschen Bänken saßen und Entscheidungen trafen die ihr
Leben veränderten.
Eine
Dreiviertelstunde saß das Mädchen dort – ganz alleine – mit
ihren Gedanken in einer fernen Welt, bis ihr Bus schließlich kam.
Schnell
stieg sie ein und setze sich auf einen der vielen freien Plätze.
Vermutlich
hätte sie von ihren Eltern dafür das sie erst so spät nach Hause
kam Ärger bekommen, wäre jene Zuhause gewesen, doch sie waren nun
einmal nicht da.
Deswegen
kam sie unbemerkt ins Haus und Niemand bemerkte das sie später als
sonst nach Hause gekommen war – lediglich sie selber.
Auch
Zuhause erledigte Zhara zuerst ihre Pflichten.
Sie
machte ihre Hausaufgaben, sowie die Wäsche und erledigte den Abwasch
ehe sie sich erschöpft in ihr Bett legte.
Beschweren
tat sie sich deswegen nie und sie würde es auch gar nicht wagen,
schließlich wurde sie von ihren Eltern kostenlos mit allem was sie
brauchte versorgt – Essen, Trinken, Anziehsachen selbst „Spielzeug“
meistens in Formen von Büchern kauften sie ihr.
Die
meistens würden das wahrscheinlich als selbstverständlich
bezeichnen, doch das war es nicht und dies wusste und würdigte
Zhara.
Sie
fand es gut das sie sich im Gegenzug um den Haushalt kümmern konnte
um sich bei ihren Eltern zu engagieren
Diese
hatte sie den ganzen Tag noch nicht gesehen, aber dies war sie
bereits gewohnt – wahrscheinlich machten sie wieder einmal
Überstunden.
Sie
arbeiteten Beide als Ärzte in einem Krankenhaus und erwarteten von
Zhara – natürlich – das sie dies auch einmal tun würde.
Zhara
ahnte das ihre Eltern wussten das dies nicht ihr Traumjob war, doch
sie würde schweigen.
Es
würde sowieso zu nichts führen, würde sie aufgrund dieses Themas
unnötiger Weise einen Streit beginnen.
Es
war bereits halb zehn Abends als Zhara ihre Aufgaben erledigt hatte.
Normalerweise
war sie bereits um viertel nach acht fertig und hatte noch genug Zeit
um ihren Hobbys nachzugehen.
Meistens
las sie noch etwa eineinhalbtausend ehe sie schlafen ging.
Mal
las sie mehr - mal weniger, doch lesen tat sie jeden Tag.
Trotz
der bereits späten Stunde beschloss Zhara auch heute noch etwas zu
lesen – so wie sie es sonst auch immer tat.
Sie
nahm sich eines ihrer liebsten Bücher, welches sie schon gefühlt
tausend mal gelesen hatte.
Es
erzählt die Geschichte eines Dorfes und die der Menschen die in ihm
Leben.
Sie
alle leben sehr unterschiedlich, obwohl sie alle mit ungefähr den
gleichen Problemen klar kommen müssen.
Zhara
war schon immer von den Verhalten der Menschen in bestimmten
Situationen erstaunt und grade dieses Buch hatte ihr sowieso schon
vorhandenes Interesse an diesem Thema nur noch mehr geweckt.
Irgendwann
jedoch schlief sie, obwohl sie das Buch so fesselte, ein.
Sie
trug immer noch ihre ganz normale Bekleidung und hielt auch immer
noch das Buch, welches ihr im Laufe der Nacht aus der Hand rutschte,
fest.
Am
nächsten Morgen kam es wie es kommen musste und die Braunhaarige
verschlief.
Sie
hatte am vergangenem Abend vergessen ihren Wecker zu stellen.
So
schnell sie konnte zog Zhara sich um packte ihre Tasche und machte
sich im Bad fertig.
Trotz
der Tatsache das sie sich so beeilte war Zhara klar, das sie es nicht
mehr zur ersten Stunde in die Schule schaffen würde.
Zu
ihrem Pech waren Zhara's Eltern an diesem Morgen ausnahmsweise einmal
Zuhause.
Ansonsten
hätten sie, vermutete Zhara zumindest, niemals herausgefunden das
sie verschlafen hatte.
Enttäuscht
von ihrer Tochter, aufgrund ihrer Unzuverlässigkeit, fuhren ihre
Eltern Zhara in die Schule.
Natürlich
hatten ihre Eltern sie getadelt, jedoch hatte ihre Mutter ihr extra
etwas zu Essen für die Schule fertig gemacht und eingepackt – sie
waren alles, aber garantiert keine schlechten Eltern.
Als
Zhara an die Tür ihrer Klasse klopfte, fühlte sie sich merklich
unwohl.
Sie
war vielleicht nicht die beste Schülerin, was wiederum nicht hieß
das sie schlecht war, aber sie hielt sich immer an die Regeln und kam
bis zu jenem Tag nie zu Spät.
Trotz
der Tatsache das Zhara sich mehrfach entschuldigte, stellte ihre
Lehrerin sie vor der Klasse bloß.
Sie
stellte Zhara's Manieren sowie ihre Intelligenz in Frage und befahl
ihr den Unterricht jetzt nicht auch noch zu stören.
Zhara's
Lehrerin fragte sie sogar warum sie denn überhaupt aufgestanden sei.
Zhara
war den Tränen nahe, doch sie erwiderte nichts.
Sie
ertrug lediglich den Tadel und setze sich schlussendlich, nach einer
gefühlten Ewigkeit, auf ihren Platz.
Während
des Unterrichtes merkte Zhara wie die Müdigkeit in ihr hochkam.
Sie
hatte zwar länger als sonst geschlafen, aber auf keinen Fall besser
– eher schlechter.
Sie
zwang sich ihre Augen offen zu halten, konnte der Müdigkeit jedoch
nicht lange standt halten und schlief letztendlich ein.
Dies
bemerkte die Lehrerin natürlich sofort und weckte das zierliche
Mädchen unsanft mit ihren wutentbrannten Schreien auf.
Zum
zweiten mal an diesem Tage stellte die Lehrerin Zhara's
Qualifikationen in Frage und schickte sie schlussendlich erbost vor
Zorn zum Direktor.
Eingeschüchtert
und schon das schlimmste erwartend, schritt Zhara die langen und auf
einmal sehr finster wirkenden Schulflure, welche zum Direktorat
führten, entlang.
Ihr
grauten es nur so vor dem Gedanken wie ihre Eltern reagieren würden,
wenn sie erfuhren das ihre Tochter zum Direktor musste.
Sie
würden wütend sein – sehr wütend.
Doch
Zhara verstand das sie auch einen guten Grund dafür hätten, würde
sie jemals eine Tochter haben wäre sie auch wütend, wenn sie
erfahren würde das diese zum Direktor geschickt wurde.
Zhara
war enttäuscht von sich selber, wäre sie am gestrigen Abend einfach
schlafen gegangen und hätte nicht mehr gelesen, wäre all dies
niemals geschehen.
Natürlich
hätte sie auch Mia schuld an all dem Geben können doch dies tat sie
nicht, schließlich war es weder Mia die verschlief noch Mia die im
Unterricht einschlief, sie hatte zwar die ganze Arbeit auf Zhara
angeschoben, jedoch hatte diese sich ja auch nicht darüber
beschwert, ob Mia auf diese Beschwerde eingegangen wäre ist ein
andere Thema.
Vor
der Tür des Direktorates hielt Zhara an.
Sie
atmete einmal tief ein und aus, ehe sie zaghaft an die Tür klopfte
und sie jemand herein bat.


